Schneiden gehört in Industrie, Logistik und Handel zum Alltag: Kartons öffnen, Folien und Umreifungen trennen oder Materialien zuschneiden. Gerade weil diese Tätigkeiten oft nebenbei erledigt werden, geraten ihre Risiken leicht aus dem Blick. 2024 registrierte die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung über 34.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle mit Messern, Kochmessern und Cuttern. Das waren 56,4 Prozent aller meldepflichtigen Unfälle mit nicht kraftbetriebenen Handwerkzeugen.
Ein sicherer Schneidarbeitsplatz berücksichtigt mehr als nur das Messer. Entscheidend ist das Zusammenspiel von sicherem Schneidwerkzeug, Ergonomie, Licht und Akustik. Alle vier Faktoren lassen sich in der Gefährdungsbeurteilung konkret betrachten und in Teilen auch messen.
Sicherheitsmesser: das Risiko an der Quelle reduzieren
Das STOP-Prinzip gibt die Reihenfolge der Schutzmaßnahmen vor. Gefahren sollen möglichst vermieden oder durch sicherere Lösungen beseitigt werden. Technische Maßnahmen setzen direkt an der Gefahrenquelle an, bevor organisatorische und persönliche Maßnahmen greifen.
Ein Hersteller und Anbieter wie MARTOR wird auf mehreren Ebenen wirksam: Suboptimale Schneidwerkzeuge lassen sich durch professionelle Sicherheitsmesser ersetzen (Substitution). Integrierte Sicherheitstechniken reduzieren zusätzlich das Risiko eines Schneidunfalls (Technische Maßnahmen). Trainings, Schulungen und praxisnahe Medien helfen dabei, sicheres Schneiden dauerhaft im Arbeitsalltag zu verankern (Organisatorische Maßnahmen).
Welche substituierende bzw. technische Lösung am besten geeignet ist, hängt von Schneidmaterial, Schnitttiefe, Schnitthäufigkeit und Arbeitsablauf ab. MARTOR bietet dafür unterschiedliche Schneidwerkzeuge und Sicherheitstechniken. Ergebnis ist aber immer, dass der mögliche Klingenkontakt minimiert wird – etwa durch eine verdeckt liegende Klinge oder einen automatischen bzw. vollautomatischen Klingenrückzug.
Wie stark Sicherheitsmesser Schnittverletzungen insgesamt reduzieren, lässt sich nicht mit einem seriösen, allgemeingültigen Prozentwert beziffern. Anwendungen und betriebliche Bedingungen unterscheiden sich dafür zu stark. Messbar ist dagegen das Ausgangsrisiko – und damit die Notwendigkeit, sichere Arbeitsmittel in die Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen. Cases aus der Praxis zeigen aber, dass es Unternehmen in wenigen Jahren gelungen ist, die Zahl der Schneidunfälle bis auf Null herunterzufahren.
Ergonomie: Belastungen vermeiden
Ein ergonomisches Sicherheitsmesser schont vor allem Hand und Arm, auch bei hohen Schnittfrequenzen. Doch es braucht noch mehr für eine angenehme, kraftsparende Arbeitsweise. Arbeitshöhe, Greifräume, Materialfluss und die Anordnung der Arbeitsmittel sind deshalb genauer zu betrachten. Körpergerecht sind zum Beispiel höhenverstellbare Arbeitsflächen und kurze Greifwege. Zu nennen ist hier auch die rutschfeste Unterlage zur Fixierung des Schneidguts.
Aktuelle Daten der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024 zeigen die Relevanz: Von den Beschäftigten, die häufig Arbeiten mit den Händen ausführen – etwa mit hoher Kraft, hoher Geschicklichkeit oder schneller Abfolge –, berichteten 45 Prozent über drei oder mehr Muskel-Skelett-Beschwerden. Bei Beschäftigten, die solchen Anforderungen nur manchmal bis nie ausgesetzt waren, waren es 22 Prozent. Bei häufigem Arbeiten im Stehen lag der Anteil bei 40 gegenüber 19 Prozent.
Das ist kein Beleg für einen pauschalen „Ergonomie-Effekt“ von x Prozent. Es zeigt aber, wie eng körperliche Belastungen und Beschwerden zusammenhängen.
Licht: sehen, wo geschnitten wird
Ausreichend Licht ist eine weitere Voraussetzung für kontrolliertes Schneiden. Klinge, Schnittlinie, Material und freie Hand müssen gut erkennbar sein.
Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.4 nennt für Versand- und Verpackungsbereiche mindestens 300 Lux und einen Farbwiedergabeindex Ra von mindestens 60. Bei teilflächenbezogener Beleuchtung muss die mittlere Beleuchtungsstärke am Arbeitsplatz mindestens 500 Lux betragen; an keiner Stelle darf sie unter 300 Lux fallen.
Auch Blendung, Reflexionen und starke Helligkeitsunterschiede können die Wahrnehmung erschweren und einen Schneidarbeitsplatz unsicherer machen.
Akustik: Konzentration aufrechterhalten
Lärm kann Konzentration, Aufmerksamkeit und Sprachverständlichkeit beeinträchtigen – und damit Tätigkeiten beeinflussen, bei denen kontrollierte Handbewegungen erforderlich sind. Auch macht Lärm auf Dauer krank.
Die ASR A3.7 unterscheidet nach Tätigkeitskategorien. Für Tätigkeiten mit andauernd hoher Konzentration gilt ein maximaler Beurteilungspegel von 55 dB(A), für Tätigkeiten mit mittlerer beziehungsweise nicht andauernder Konzentration 70 dB(A). Bei geringeren Konzentrationsanforderungen gilt ein Minimierungsgebot. Welche Kategorie für einen Schneidarbeitsplatz zutrifft, muss anhand der Tätigkeit beurteilt werden.
Davon zu unterscheiden sind die Werte zum Schutz des Gehörs. Auch hier greift das STOP-Prinzip. Am besten ist es, Lärm zu vermeiden bzw. auf ein Minimum zu senken. Wenn das nicht möglich ist, gilt laut Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung: Ab 80 dB(A) muss geeigneter Gehörschutz bereitgestellt werden. Ab 85 dB(A) muss der Arbeitgeber dafür sorgen, dass er tatsächlich benutzt wird.
Arbeitssicherheit als Gesamtsystem
Ein sicherer Schneidarbeitsplatz entsteht nicht durch eine einzelne Anschaffung oder Maßnahme. Ergonomische Sicherheitsmesser können das Unfallrisiko beträchtlich senken und lassen den Anwender belastungsfreier arbeiten. Die konsequent ergonomische Gestaltung des gesamten Schneidarbeitsplatzes inkl. Werkzeug schützt den Anwender vor langfristigen Fehlstellungen. Hinzu kommen Schulung und Arbeitsorganisation: Wie wende ich ein Schneidwerkzeug möglichst sicher und effizient an? Welche verlässlichen Routinen empfehlen sich bei der Aufbewahrung des Schneidwerkzeugs, bei Klingenwechsel, Entsorgung und Reinigung? Auch hier leistet MARTOR praxisnahe Hilfestellung.
Licht und Akustik bilden dabei die arbeitsschutzförderlichen Rahmenbedingungen: Ausreichendes und blendfreies Licht sorgt für eine bessere Sicht. Eine angepasste Akustik unterstützt Konzentration und Kommunikation und verringert den Stressfaktor.
Entscheidend ist, alle Faktoren in der Gefährdungsbeurteilung zusammenzuführen, ihre Wirksamkeit regelmäßig zu überprüfen und den Arbeitsplatz bei Bedarf anzupassen.
So wird aus „sicher schneiden“ ein überprüfbares Arbeitsplatzkonzept – mit messbaren Kriterien für Arbeitsschutz und Gesundheit.
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